Herbarium gestalten: So sammelst, presst und bewahrst du Wildblumen richtig auf
Es gibt diesen einen Moment beim Spazierengehen, in dem du stehen bleibst, weil eine Blüte am Wegrand einfach zu schön ist, um sie einfach stehen zu lassen. Genau aus solchen Momenten entsteht ein Herbarium – und ehrlich gesagt ist es eines der entspanntesten Hobbys, die man sich aussuchen kann.

Ein Herbarium ist im Grunde nichts anderes als eine gepresste, getrocknete und sortierte Sammlung von Pflanzen. Früher war das vor allem etwas für Botaniker und Schulprojekte, heute erlebt es gerade als ruhiges, analoges Gegengewicht zum Bildschirmalltag ein kleines Comeback.
Ein Herbarium ist das perfekte Gegenmittel zum hektischen Bildschirmalltag: Mit wenigen Utensilien verwandelst du heimische Wildblumen in langlebige botanische Kunstwerke.
Warum ein eigenes Herbarium gerade wieder so gefragt ist
Auf Social Media kursieren aktuell viele passende Trends, wie z.B Cottagecore, Slow Living und der Sehnsucht nach mehr analogen Hobbys. Ein Herbarium zwingt dich, langsamer zu werden und dich aufmerksamer durch die Natur zu bewegen.
Das brauchst du für dein erstes Herbarium
Die gute Nachricht vorweg: Du brauchst für den Einstieg wirklich nicht viel. Vieles davon hast du wahrscheinlich sogar schon zu Hause.
- Saugfähiges Papier zum Pressen, zum Beispiel Löschpapier
- Etwas Gewicht – dicke Bücher reichen völlig aus, praktischer ist eine richtige Blumenpresse
- Eine kleine Schere oder ein Taschenmesser zum sauberen Abschneiden
- Eine Pinzette, um empfindliche Blüten vorsichtig zu positionieren
- Säurefreies Papier zum späteren Aufkleben
- Transparenten Bastelkleber oder dünnes Acetatgewebeklebeband
- Ein kleines Bestimmungsbuch, falls du unsichere Pflanzen nachschlagen möchtest
Für den Anfang reichen zwei, drei dicke Bücher mit etwas Gewicht obendrauf völlig aus. Eine Blumenpresse lohnt sich aber, wenn dir das Hobby wirklich Spaß macht.
Falls du direkt in eine hochwertigere Ausstattung investieren willst, lege dir eine Blumenpresse zu. Sie hält deutlich länger als selbstgebaute Lösungen und presst gleichmäßiger, weil der Druck über die ganze Fläche verteilt wird.
Wildblumen sammeln: Wann, wo und worauf du achten solltest
Der beste Zeitpunkt zum Sammeln ist ein trockener, sonniger Vormittag – am besten ein paar Stunden nachdem der Morgentau abgetrocknet ist. Nasse oder feuchte Pflanzen schimmeln beim Pressen und das wäre wirklich schade um die Mühe.
Achte beim Sammeln auf makellose Exemplare ohne braune Flecken, Insektenfraß oder welche Stellen.
Viele Wildblumen stehen unter Naturschutz! Informiere dich vorher, sammle nur kleine Mengen und meide Naturschutzgebiete.

Pflanzen richtig pressen: Die drei gängigsten Methoden im Vergleich
Es gibt nicht die eine richtige Presstechnik – welche Methode am besten passt, hängt davon ab, wie viel Geduld, Platz und Ausstattung du hast.
| Kategorie | Bücher | Blumenpresse | Mikrowelle |
|---|---|---|---|
| Dauer | 2–3 Wochen | 2–3 Wochen | Wenige Minuten |
| Vorteile | Kostenlos, sofort startbar | Gleichmäßiger Druck, langlebig | Sehr schnelles Ergebnis |
| Nachteile | Ungleichmäßiger Druck, Bücher fleckig | Anschaffungskosten | Farben oft blasser |
Für den Einstieg spricht wenig dagegen, es zunächst mit Büchern zu versuchen. Wenn dir das Hobby richtig Freude macht, lohnt sich eine echte Blumenpresse aber schnell, weil sie gleichmäßigere und schönere Ergebnisse liefert als improvisierte Lösungen.
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Schritt für Schritt: So presst du deine erste Wildblume
Überschüssige Blätter entfernen und die Pflanze so flach wie möglich hinlegen, damit sie sich beim Trocknen nicht überlagert.
Ein Blatt Löschpapier als Unterlage verwenden.
Mit einer Pinzette die Blütenblätter vorsichtig in die gewünschte Position bringen, bevor sie antrocknen.
Eine zweite Lage Papier obenauf legen, damit die Pflanze rundum von saugfähigem Material umgeben ist.
In die Blumenpresse oder zwischen dicke Bücher legen und mit zusätzlichem Gewicht beschweren.
Nach zwei bis drei Tagen das feuchte Papier gegen trockenes austauschen – das beschleunigt den Trocknungsprozess spürbar.
Zwei bis drei Wochen ruhen lassen, bis die Pflanze vollständig trocken und papierdünn ist.
Wer das Papier regelmäßig wechselt, bekommt deutlich schönere Farben und ein saubereres Ergebnis als jemand, der die Presse drei Wochen lang einfach vergisst.
Lege gleich beim Pressen ein kleines Zettelchen mit Name, Datum und Fundort der Blume dazu. So wird nichts vergessen!
Herbarium anlegen: Beschriften und aufkleben
Sobald die Pflanze vollständig durchgetrocknet ist, geht es an den kreativen Teil. Klebe die Pflanze mit ein paar kleinen Punkten transparentem Bastelkleber oder dünnen Streifen Acetatgewebeklebeband auf säurefreies Papier – so vergilbt und verblasst sie über die Jahre deutlich langsamer.
Direkt daneben oder auf ein kleines Etikett gehören mindestens diese Angaben:
- Deutscher und, falls bekannt, botanischer Name der Pflanze
- Fundort, zum Beispiel Wiese, Waldrand oder Gartenbeet
- Datum des Sammelns
- Optional: kleine persönliche Notizen, etwa zum Wetter oder besonderen Erinnerungen
Ordne deine Seiten in einen Ordner ein. So kannst du die Pflanzen jederzeit umsortieren.
Mit unseren fertigen Herbarium Vorlagen zum Ausdrucken hast du dein Projekt schnell umgesetzt und du erhältst einen sauberen und einheitlichen Look.




So bleibt dein Herbarium lange schön
Ein fertiges Herbarium ist erstaunlich empfindlich gegenüber Licht, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Bewahre es liegend statt stehend auf, an einem kühlen, dunklen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung – ein Regalfach oder eine geschlossene Schublade eignen sich besser als ein offenes Bücherregal am Fenster.
Was Einsteiger beim Herbarium am häufigsten übersehen
Zu dicke Pflanzenteile schimmeln, vor dem pressen unbedingt mit einem Skalpell dünner schneiden. Zu späte Beschriftung lässt oft den Fundort oder sogar den Namen der Pflanze in Vergessenheit geraten, getrocknete und gepresste Blumen lassen sich nämlich schwerer bestimmen.
Häufig gestellte Fragen zum Herbarium gestalten
In der Regel zwei bis drei Wochen, abhängig von der Dicke und dem Wassergehalt der Pflanze.
Ja, dicke Bücher mit zusätzlichem Gewicht darauf funktionieren für den Einstieg genauso gut. Bedenke aber, dass das Buch wellig werden kann, wenn du das Papier mit den Pflanzen hineinlegst.
Flache, dünne Blüten wie Gänseblümchen, Wiesen-Schaumkraut oder Vergissmeinnicht lassen sich leicht pressen und behalten meist gut ihre Farbe.
Nein, viele Arten stehen unter Naturschutz. Informiere dich vorher und sammle grundsätzlich nur kleine Mengen häufiger, nicht geschützter Pflanzen.
Presse sie an einem trockenen Tag, wechsle das Papier regelmäßig und lagere das fertige Herbarium später vor direktem Licht geschützt.
Meist war die Pflanze zu feucht oder zu dick. Entferne sie und presse dünnere, trockenere Exemplare mit häufigerem Papierwechsel. Dicke Pflanzenteile kannst du auch mit einem Skalpell vorsichtig dünner schneiden.
Eine schön gestaltete Mappe oder ein schmaler Ordner wirken besonders hochwertig. Alternativ eignen sich auch gerahmte Einzelblüten als Wanddeko.
Schnapp dir bei deinem nächsten Spaziergang einfach die erste Blüte, die dir gefällt, und leg direkt los.
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